» » Auf anderen Wegen durch die Schulzeit

Auf anderen Wegen durch die Schulzeit

eingetragen in: Allgemein | 0

classroom-488375_1280

Vier Jahre Grundschule, danach auf die Mittel- oder Realschule, vielleicht auch aufs Gymnasium. So sieht die Schulzeit für die Mehrheit der deutschen Schüler aus. Doch es gibt auch noch andere Wege zum Ziel. Waldorfschulen, Montessori und andere Ansätze bieten Alternativen.

Es gibt in Deutschland mehr als nur den einen Weg durch die Schule. Auch wenn für die meisten Schüler zuerst vier Jahre Grundschule und dann die Wahl zwischen Mittel- bzw. Realschule und Gymnasium der Weg der Wahl ist, vergessen wir häufig, dass es noch zahlreiche Alternativen gibt. Am klassischen staatlichen Schulsystem gibt es immer wieder Kritik, gerade vor dem Hintergrund von PISA. In den meisten Fällen dreht sich diese Kritik um die Vorwürfe, die staatlichen Bildungseinrichtungen in Deutschland wären zu steif, nicht offen genug und würden nicht ausreichend auf die individuellen Bedürfnisse und Talente der Kinder eingehen. Reformpädagogische Schulsysteme hingegen wollen Kinder eher als Abenteurer und Entdecker sehen, die ihre Neugierde, ihren natürlichen Drang danach, Neues zu entdecken, ausleben sollen und selbstbestimmt, unabhängig oder zumindest nicht bevormundet von Erwachsenen, lernen sollen. Es geht um die intrinsische Motivation der Kinder, zu lernen. Statt Leistung, Noten und Zeugnissen soll die Freude am Lernen selbst motivieren. Lehrer sollen die Schüler genau beobachten, feststellen, wo sie in ihrer Entwicklung stehen und sie auf ihren individuellen Schritten begleiten. Dementsprechend müssen sich die Kinder den Stoff größtenteils selbst erarbeiten, auf ihre eigene Art. Der Lehrer gibt lediglich den Anstoß dazu. Kreativität, Projektarbeiten und Selbstbestimmtheit stehen hier eher im Vordergrund als Frontalunterricht und Leistungsdruck.

Die verschiedenen Modelle basieren alle auf einer Mischung aus den reformpädagogischen Ansätzen der 1920er Jahre, aber eben auch Methoden der modernen Erziehungswissenschaft. Häufig sind auch die Eltern viel stärker involviert und haben eine engere Beziehung zur Schule, als es an staatlichen Einrichtungen der Fall ist.

Mit Montessori-, Waldorf- und Jenaplanschulen werde ich euch jetzt kurz drei der erfolgreichsten und verbreitetsten Konzepte vorstellen.

 

 

Waldorf

Die Waldorfschule ist die wohl erfolgreichste Reforminitiative des 20. Jahrhunderts. Als ganzheitlich, individuell und persönlich beschreibt sich die Methode, die auf die anthroposophische Lehre von Rudolf Steiner zurückgeht. Ungefähr 235 Waldorfschulen gibt es in Deutschland, an denen Kinder im Normalfall 12 Jahre verbringen. 

Viele Waldorfschüler zeigen sich zufriedener mit ihrer Schule im Vergleich zu Schülern und Schülerinnen, die an staatlichen Einrichtungen unterrichtet werden. Sie können sich mehr für den Unterricht begeistern und haben seltener Schulangst.

Steiners Lehre spricht von der sogenannten Dreigliedrigkeit des Menschen, die aus dem Denken, Fühlen und Wollen besteht. Neben den intellektuellen (Denken) und den künstlerisch-kreativen (Fühlen) Fähigkeiten, stehen dementsprechend auch die handwerklich-praktischen (Wollen) Fähigkeiten im Mittelpunkt des Unterrichtsgeschehens. 

Vom ersten Jahr an lernen die Kinder zwei Fremdsprachen und beschäftigen sich täglich mit vielen handwerklich-künstlerischen Fächern, von Gymnastik und Eurythmie bis hin zu Handarbeit und Musik. Außerdem beginnt jeder Tag mit zwei Stunden des sogenannten Epochenunterrichts, in dem über einen Zeitraum von mehreren Wochen nur ein Fach unterrichtet wird. Statt nach einem vorgeschriebenen festen Lehrplan zu unterrichten orientieren sich die Lehrer vielmehr am Entwicklungsstand der Schüler,  dabei bleiben aber trotzdem alle Kinder, unabhängig von ihren Fähigkeiten und Begabungen immer in der selben Klasse. Sitzenbleiben gibt es nicht, und anstatt Zeugnisnoten erhält jeder Schüler eine charakteristische Darstellung, in der sein Leistungsstand und andere Dinge stehen. 

Normalerweise verbringen Schüler 12 Jahre an der Waldorfschule und verlassen sie dannmit dem  Waldorf-Schulabschluss. Ihr könnt dort aber auch alle anderen Abschlüsse, z.B. Mittlere Reife oder Abitur ablegen. Übrigens erreichen etwa 60% der Waldorfschüler das Abitur oder die Fachhochschulreife.

 

Montessori

Offener Unterricht und die Förderung der individuellen Stärken jedes Kindes stehen an Montessori-Schulen im Vordergrund. Bedingt durch die Grundannahme, dass Kritik das Lernen behindert, gibt es weder feste Lehrpläne noch Klausuren oder Zensuren. Strafen und Belohnungen sollen die Kinder nicht beeinflussen, sondern die natürliche Motivation zu lernen soll genutzt werden, um möglichst selbstständige, ausgeglichene Persönlichkeiten heranwachsen zu lassen. Dementsprechend ist auch der Schultag an Montessorischulen strukturiert: Die Kinder finden sich in einer Umgebung, in der sie all ihre Sinne entfalten und sich konzentrieren sollen, z.B. wenn sie sich während der freien Arbeit mit völlig unterschiedliche Dingen befassen.

Montessorischulen sind häufig Ganztagsschulen. So wird auch das gemeinsame Mittagessen und die Pausen zu einem Gemeinschaftserlebnis für die Kinder. Da es sich in den meisten Fällen um Grundschulen handelt, wird in der Regel kein Abschluss erworben. Es gibt aber weiterführende Schulen, die mit Montessori-Pädagogik arbeiten. An ihnen können dann je nach Schule verschiedene Abschlüsse erworben werden.

Unter diesem Link findet ihr übrigens einen interessanten Beitrag über die Unterschiede zwischen Montessori und Waldorf. 

Jenaplan

Die Grundgedanken der Pädagogik an Jenaplan-Schule bestehen in selbsttätigem Arbeiten, gemeinschaftlichem Zusammenarbeiten und Zusammenleben und Mitverantwortung von sowohl Schülern als auch Eltern. Gespräch, Spiel, Arbeit und Feier sollen das natürliche Lernen und die emotionale Entwicklung der Kinder prägen und formen. Lernen soll ganzheitlich und lebensnah, spielerisch und kreativ stattfinden: Die SchülerInnen treffen auf Entdecker-Ecken, Lehrpfade, erleben Erzählrunden, sie führen Interviews, Rollenspiele, Exkursionen, Feldforschung durch. Gearbeitet wird in Räumen, die die Kinder selbst mitgestalten dürfen, vor dem Hintergrund der Idee, dass die Schule einen wichtigen „Lebensraum“ der Kinder darstellt, der wohnlich und individuell sein sollte. Typische Arbeitsformen für eine Jenaplan-Schule sind offene Gespräche im großen Kreis und unter Leitung der Schüler selbst, die spielerische Unterstützung der Entwicklung der Schüler und des Lernens. Es gibt auf der einen Seite fächerübergreifenden Kernunterricht, auf der anderen Seite die Freiarbeit, in der jeder Schüler ein Fach nach Wahl bearbeiten kann und zusätzlich den Kursunterricht, in dem feste Unterrichtsfächer gelehrt werden. Feste Jahrgänge spielen an Jenaplanschulen eine untergeordnete Rolle. Stattdessen kommen die Schüler in sogenannten Stammgruppen zusammen, in denen Kinder gemischten Alters mal die Jüngsten, mal die „Mittleren“, und mal die Ältesten sind. So lernen sie auf Individuen unterschiedlicher Entwicklungsstufen einzugehen und sich an unterschiedlichen Herausforderungen zu messen.

Die Jenaplan-Pädagogik sieht häufig ein Ganztagsschulkonzept vor. Ähnlich wie an Montessorischulen werden die Pausenzeiten als Möglichkeit zur Gemeinschaftsbildung gesehen. Da einigen Jenaplanschulen staatlich getragen werden, sind grundsätzlich alle Abschlüsse möglich. 

 

All diese Konzepte sind noch wesentlich umfangreicher und komplexer, als ich sie euch in meinem Artikel vorstellen kann. Wenn ihr euch für eines der oben genannten Konzepte interessiert, schlage ich euch deshalb vor, dass ihr euch am besten an einer Schule in eurer Nähe direkt vor Ort informiert. Gerade im Hinblick darauf, dass die individuellen Bedürfnisse der Kinder im Vordergrund stehen, ist es besonders wichtig, dass ihr von vorn herein eine Bindung zur Schule, der entsprechenden Lehrkraft und ein tiefes Verständnis für das Konzept und die Idee dahinter entwickelt. Habt ihr schon Erfahrungen mit alternativen Schulformen oder überlegt, euer Kind statt auf staatliche Schulen, auf eine Waldorf-, Montessori-, oder Jenaplanschule zu schicken? Ich bin für alle Fragen, Anregungen und Meinungen offen und freue mich auf eure Antworten! Sicher werdet ihr das richtige Konzept finden, das zu den Fähigkeiten, Bedürfnissen und der Entwicklung eures Kindes passt!

 

Versprochen 😉 yourPinnie 

Bitte hinterlasse eine Antwort