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Doch keine Stellenkürzungen in der Oberstufe!

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Es gibt Neuigkeiten vom Kultusministerium in Hessen! Die lange diskutierten und scharf kritisierten Kürzungen der Lehrerzuweisung in der gymnasialen Oberstufe werden nicht umgesetzt. Alles, was ihr dazu wissen müsst, gibt es hier!

Was ursprünglich geplant war

Die vom Kultusministerium in Hessen geplanten Stellenumlenkungen aus der Qualifizierungsphase der gymnasialen Oberstufe auf andere bildungspolitische Schwerpunkte riefen in den letzten Monaten den Unmut von Schul- und Elternverbänden auf den Plan. Die Rede war von 80 Stellen im Schuljahr 2016/2017 und weiteren 75 Stellen im darauffolgenden Jahr 2017/2018, auf die Schulrektoren bei ihrer Planung für die kommenden Abschnitte hätten verzichten müssten. Für die Abiturienten hätte das weniger Lehrangebote und größere Klassen während der Vorbereitung auf ihre Abiturprüfungen bedeutet. Besonders das Lehrangebot von Fächern, die weniger häufig von Schülern gewählt werden, hätte somit auf der Kippe gestanden: Leistungskurse in beispielsweise Latein, Informatik oder Physik hätten an vielen Schulen vor dem Aus gestanden, für Standardkurse wie Deutsch oder Englisch wären Kursgrößen mit über 25 Schülern zur Tagesordnung geworden, oder Kurse hätten zusammengelegt werden müssen. Doch eigentlich sollte es während des Abiturs – der Vorbereitung auf das spätere Studium – möglich sein, konzentriert, d.h. in kleineren Klassenverbänden und in den individuell bevorzugten, spezialisierenden Fächern zu lernen und sich adäquat für die bevorstehenden Prüfungen und das nachfolgende Studium zu rüsten. 

 

Und woher nun der Sinneswandel?

Nachdem bekannt wurde, dass das Kultusministerium nicht nur in der gymnasialen Oberstufe sondern auch an den Grundschulen Stellenkürzungen in Betracht zog, machte sich Entrüstung unter Eltern, Schulen und Lehrern breit – die Landesschülervertretung Hessen, unterstützt vom GEW Hessen und dem Landeselternbeirat,  startete eine Petition gegen die geplanten Stellenstreichungen an Hessischen Schulen. Über 30.000 Unterstützer konnten gefunden werden, die sich gegen das Vorhaben des Kultusministeriums aussprachen und die Petition unterschrieben.

Auch die Opposition nahm das Thema mit der Landesregierung auf, insbesondere eröffnete sie den Dialog mit der schwarz-grüne Regierung, verschiedene Schulformen kontrovers und ergebnisoffen zu diskutieren. Kultusminister Alexander Lorz (CDU) zu Folge sollten die Einsparungen durch die geplanten Stellenkürzungen in der Oberstufe am Gymnasium vielmehr anderen Bildungsaufgaben, wie z.B. Ganztagsschulen, der Deutschförderung von Flüchtlingskindern, der Inklusion oder sogenannten Brennpunktschulen zu Gute kommen. Doch davon ließen sich  weder Elternbeiräte noch Schulen oder Schülerverbände überzeugen. Zwar seien die Bildungsvorhaben der Landesregierung vollauf berechtigt und zweifelsohne richtig, jedoch dürfe es keine Lösung sein, die Probleme an der einen Stelle anzugehen, aber weitere, neue Herausforderungen bzw. Einsparungen – in dem Fall in den Oberstufenkurse der hessischen Gymnasien – nicht mit gleicher Intensität anzugehen. 

Hr. Minister Lorz bot kritische Fachgespräche mit etwa einem dutzend Schulen und deren Vertretern an, der offizielle Kurs in Richtung Stellenumlenkungen blieb aber zunächst bestehen. Es wurde erklärt, dass die Stellenumlenkungen im Kern wenig diskutabel seien und es in den Gesprächen tendenziell darum gehe, die sich ergebenden Änderungen und Probleme bestmöglich aufzufangen. Nun ist dennoch Bewegung in die Angelegenheit gekommen:

Nachdem die zahlreichen Proteste aus den verschiedensten Richtungen, von Eltern-, Schüler- und Lehrerverbänden, gehört wurden, hat Hr. Kultusminister Alexander Lorz (CDU) nun angekündigt, dass die geplanten Stellenumlenkungen in der gymnasialen Oberstufe doch nicht wie geplant umgesetzt werden sollen. 

„Auf Basis der uns ganz aktuell vorliegenden Schülerzahlen und eines im Etat des Kultusministeriums für das kommende Schuljahr hinreichend vorhandenen Spielraums möchte ich heute die Botschaft an die Schulen senden, dass wir auf die bislang für die kommenden beiden Schuljahre vorgesehenen Stellenumlenkungen in der Qualifizierungsphase der Gymnasialen Oberstufe verzichten werden.“

Mit dieser Erklärung reagierte Hr. Minister Lorz auf die konstruktive Kritik. Als Beweggründe für die veränderte Sicht nannte er vor Allen die guten und wichtigen Fachgespräche mit verschiedenen Schulen. Bereits im aktuell laufenden Schuljahr wurden ca. 150 Stellen umverteilt – ein erheblicher Einschnitt. Viele Schulen und deren Vertreter haben sich in den Gesprächen angabegemäß dahingehend geäußert, dass die bisherigen Kürzungen vertretbar wären und die entsprechenden Veränderungen gut aufzufangen wären, dass die geplanten weiteren Änderungen aber zu erheblichen Problemen führen würden und aus eigener Kraft der Schulen nicht mehr aufgefangen werden könnten. Auch die Stellungnahmen seitens der Schul- und Elternverbände sowie die öffentliche Meinung gegen das Vorhaben werden dazu geführt haben, dass sich letzten Endes doch noch ein Spielraum im vorgesehenen Etat auffinden ließ, der die entsprechenden Maßnahmen zulässt und die geplanten Kürzungen verhindernd konnte.

Im Nachgang der Kontroverse ist das Ergebnis erfreulich: Die Abiturienten der nächsten beiden Jahre in Hessen müssen nicht auf Kursangebote verzichten oder sich mit einer qualitativ weniger guten Vorbereitung auf das Abitur zufrieden geben. Auch die Tatsache, dass sich die Landesregierung auf den Dialog mit Schulen und Eltern eingelassen und die Argumente gehört hat, ist erfreulich. Dennoch bleibt die Frage offen, weshalb es eine Kontroverse über Monate hinweg und von unterschiedlichsten Seiten geben muss, bevor auf Kürzungen, die das Lehrangebot und die Qualität der Ausbildung in der gymnasialen Oberstufe ggf. negativ beeinflussen, verzichtet wird, insbesondere in Anbetracht der Tatsache, dass die finanziellen Mittel dafür vielleicht vorhanden sind. Wie steht ihr zu dem Thema? Ich freue mich über eine rege Diskussion, eure Kommentare und Meinungen!

 

Versprochen 😉 yourPinnie

 

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