» » Helfende Hände – 2 Ansichten

Helfende Hände – 2 Ansichten

eingetragen in: Allgemein | 0

Ⓒ Fotolia/Sunny studio für www.antolin.de

Heute habe ich einen ganz besonderen Beitrag für Euch! Unsere Gastautoren Minette und Fritz haben sich aus verschiedenen Perspektiven Gedanken zum Thema Helfende Hände gemacht, herausgekommen ist ein wunderbarer Mix aus Erinnerungen und Ansichten. Lest mehr!

Helfende Hände sind etwas ganz besonders Schönes – Betrachtungen einer Mutter

Als ich klein war, hatten wie eine Haushälterin. Das war ganz großartig. Sie hat immer alles hinterher geräumt, immer alles saubergemacht, gebügelt, geputzt, gekocht, gebacken. Das war schön. Wenn ich, was sehr selten vorkam, bestraft werden sollte, weil ich irgendeinen Unfug gemacht hatte, kam es vor, dass ich auch mal auf mein Zimmer gesperrt wurde. In meiner „schlimmsten Phase“ habe ich dann mein ganzes Zimmer auf den Kopf gestellt und alles was nicht niet- und nagelfest war, durch die Gegend geworfen. Ihr könnt Euch sicherlich vorstellen, wie es dann ausgesehen hat. Zur Nachahmung möchte ich das bestimmt nicht empfehlen!

Und dann habe ich natürlich gebrüllt wie am Spieß. Aber meine Eltern wollten, dass ich mich austobe und es sollte eine erzieherische Maßnahme sein. Leider ging der Plan nie auf, weil eben diese Haushälterin, die ich sehr liebevoll Eilalein nannte, das nicht aushalten konnte, wenn ich so brüllte. Sie hielt sich dann das Herz und sagte zu meinen Eltern, dass es ihr noch das Herz bräche. Na ja, und dann durfte sie zu mir gehen, mich trösten und hat zum Leidwesen meiner Eltern alles wieder aufgeräumt.

Da möchte man ja meinen, dass es bei mir heute so ausschaut, wie auf einem Schlachtfeld (zugegebenermaßen tut es das, wenn ich nach einiger Zeit meine Papiere ablegen will). Aber das tut es in der Regel nicht. Irgendwie habe ich es dann doch gelernt. Vielleicht gerade weil diese helfenden Hände immer da waren. Vielleicht habe ich deshalb Ordnung schätzen gelernt, denn es ist gut zu wissen, dass alles eine, seine Ordnung hat.

Es ist gut für meine Seele gewesen, mir keine Gedanken darüber machen zu müssen, ob die Schulsachen alle da sind, wenn es morgens losgeht, weil ich sie abends schon ordentlich zusammengepackt habe. Auch war es viel entspannter am Morgen, wenn ich mir abends schon überlegt und am besten herausgelegt hatte, was ich anziehen wollte. Das mache ich sogar heute noch ab und an. Besonders dann, wenn am nächsten Tag wichtige Termine anstehen oder ich für eine Weile verreise. Ich kann dann viel ruhiger einschlafen und bin am Morgen ausgeruhter. Probiert es doch mal aus!

 

Helfende Hände? Helfende Hände! Ansichten eines 18-jährigen

Aus der Sicht des Kindes mag vieles, was man sich in den ersten 18 Lebensjahren von den Eltern anhören musste unnötig, nervig und sogar nervtötend klingen. Hat man jedoch diesen Punkt erreicht, an dem man sich nichts mehr anhören müsste, schaut man zurück und fühlt sich wie das Lebenswerk seiner Altvorderen.

Besonders viel Handarbeit, Herzensblut und Unmengen an Nerven, die da in einen hineingeflossen sind, Sorgen und Fürsorge. Es sind die Hände unserer Eltern die uns von klein auf fliegen lassen, die uns immer wieder aufhelfen, uns rügen und loben.

Jeder kennt die Sache mit dem heißen Herd: sagt man dem Kind, dass es den Herd nicht anfassen soll, da dieser heiß sei und es weh tut und es sollte tatsächlich, aus welchen Gründen auch immer, auf einen hören, ist der eigentliche Lerneffekt Null (in der Regel). Erst wenn es sich verbrannt hat, versteht das Kind und lernt. Übertragen auf spätere Jahre, wird es schon ernster. Erledige eine Sache sofort, dann ist es durch und du brauchst dich nicht mehr drum zu kümmern. Wenn man das immer nur auf Anraten der Eltern getan hat, hält es vermutlich bestenfalls bis zum Auszug an. Macht man eine schlechte Erfahrung damit, kommt die Änderung nahezu von selbst, wird mit Selbstdisziplin zur Gewohnheit und hält wahrscheinlich für den Rest des Lebens.

Nur kommt so ein Erlebnis oder die dementsprechende Erkenntnis leider meist erst kurz vor oder mit der Katastrophe (dem Vergeigen der Arbeit, nicht den Zug nehmen zu können aufgrund eines verschlampten Tickets – getreu dem Motto: Erfahrungen hat man immer erst, nachdem man sie gebraucht hätte). Natürlich gilt es auch hier, wie in so vielen anderen Bereichen des Lebens, den goldenen Mittelweg zu finden. Und genauso schwer ist es wahrscheinlich auch; jeder will (hoffentlich) nur das Beste für seine Kinder. Ist es deshalb gut, sie vor allem Unheil zu bewahren? Auch wenn dieses quasi unmöglich ist, bereitet den Kindern ein völlig reguliertes Umfeld und die Entfernung jeglicher Gefahr, wie gut es auch gemeint sein mag, nicht mehr Probleme im späteren Leben?

Ich persönlich denke, dass das Wichtigste bei alledem die Kommunikation und Reflektion bleibt: wenn man mit seinen Eltern über fast alles reden kann. Also machen lassen und reflektieren. Selbstständiges Lernen, Organisieren, Planen, Kontakte pflegen und Zeitmanagement, all das sollte man sich so früh wie möglich angewöhnen, es erleichtert tatsächlich vieles.

Dann gibt es leider noch viele andere Faktoren die alles Gesagte beeinflussen: bei der durchschnittlichen Familiensituation mit meist 1,5-2 arbeitenden Eltern ist es nicht gerade einfach, da das Kind von frühen Jahren an schon den halben Tag außer Haus verbringt. Kindergarten, Vor-, Schule, Hort, Hobbys, Freunde und schon sind sie nur noch morgens und mit Glück abends zuhause.

Für mich war es genug zu wissen, dass da diese helfenden Hände sind. Abrufbar sozusagen. Und mit dieser Gewissheit im Rücken lässt sich alles besser erledigen. Und irgendwie motiviert es auch, vieles am besten sofort zu machen. Auch wenn es manchmal nur darum geht, meine Mutter aus meinem unordentlichen Zimmer herauszuhalten. Ich weiß, ich könnte meine Mutter um Hilfe bitten. Sie würde es wahrscheinlich sogar aufräumen, würde ich nicht den Weg verbarrikadieren. Sie würde mir auch jeder Zeit die Englisch-Hausaufgaben machen. Wenn sie könnte, würde sie wahrscheinlich alle meine Probleme lösen, auch die größeren. Und genau das gibt mir die Zuversicht und das Selbstvertrauen alles zu schaffen. Und das ist es was eure, liebe Eltern, eure Hände für uns bedeuten.

 

Eure Minette und Fritz

 

 

Bitte hinterlasse eine Antwort