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Hilfe, mein Kind will vegan leben!

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Flexitarier, Vegetarier, Veganer – bewusste und gesunde Ernährung wird ein zunehmend wichtiges Thema in unserer Gesellschaft, auch in Schulen. Dieser Trend färbt auch auf unsere Kinder ab, und immer häufiger heißt es nach der Schule:

“Mama, ich lebe ab sofort vegan!” Die Foodtrends, die immer mehr Erwachsene überzeugen und zum Verzicht auf verschiedenste Dinge, Ernährung nach Plan oder eben veganes Essen bringen, machen auch vor Schulen, und damit vor unseren Kindern nicht Halt. Immer mehr Kinder verkünden zu Hause, ab sofort auf sämtliche tierische Produkte verzichten zu wollen und sich damit einer Zahl von fast 1.000.000* Veganern in Deutschland anzuschließen.

 

Wie sollen wir als Eltern damit umgehen?

Am wichtigsten ist es, dass das Vorhaben der Kinder nicht übergangen, ignoriert oder als lächerlich abgetan wird. Schließlich setzt man sich solche Ziele nicht aus Spaß, sondern hat häufig einen guten Grund. Nehmt Euch gemeinsam mit den Kindern die Zeit und setzt Euch mit dem Thema auseinander. Dabei sind folgende Punkte besonders wichtig:

 

 1. Das Verständnis – Was bedeutet eigentlich vegan?

Sich vegan zu ernähren bedeutet, keine Produkte zu sich zu nehmen, die vom Tier stammen, d.h. also nicht nur – wie Vegetarier – auf Fleisch zu verzichten, sondern außerdem auch auf Milch, Eier und alle anderen Produkte oder Zutaten, die ganz oder teilweise tierischen Ursprungs sind von der Einkaufsliste zu streichen. Häufig ist den Kindern (und tatsächlich auch vielen Eltern) gar nicht bewusst, was vegane Ernährung eigentlich bedeutet, und in wie vielen Produkten tatsächlich tierische Produkte enthalten sind. Nicht nur Milch, Eier und Butter im Rohzustand werden dann vom Ernährungsplan gestrichen, sondern eben auch Produkte wie z.B. Jogurt, Käse und Schokolade fallen weg. Hinzu kommt, dass viele der sogenannten Ersatzprodukte, wie Tofu oder Soja-Erzeugnisse, zwar ähnlich, aber bei weitem nicht genau so wie Fleisch oder Milchprodukte schmecken. Auch für unterwegs ist vegane Ernährung eine Herausforderung: Ein Wurstbrot in der Pause oder ein Kaba für zwischendurch? Fehlanzeige bei einem Ernährungsansatz ohne tierische Stoffe. Nichtsdestotrotz erlaubt die vegane Ernährung eine Vielzahl gesunder, leckerer Lebensmittel und Gerichte, von Gemüse und Obst, bis hin zu Brot und Nudeln, also den „Basics“ unseres täglichen Essens. Peta hat stellt unter http://www.peta2.de/web/einkaufsguide.401.html eine gute Übersicht über die wichtigsten Lebensmittel bereit, die bei veganer Ernährung erlaubt sind bzw. veganen Anforderungen entsprechen. Ein weiterer einfacher Ansatz, der gut erklärt, wie sich vegane Ernährung zusammensetzt ist die Ernährungspyramide von Peta:

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  2. Warum entscheidet man sich für vegane Ernährung?

Die Entscheidung, sich vegan zu ernähren, kann verschiedenste Ursprünge haben. Für Erwachsene ist häufig der Gesundheitsaspekt ausschlaggebend, gerade bei Kindern sind aber häufig Erfahrungen mit Massentierhaltung oder Tier- und Umweltschutz der Auslöser für die Entscheidung. Einschneidende Erlebnisse bei Exkursionen oder Vorträgen in der Schule, Mitschüler oder Freunde als Vorbild oder eben das ganz eigene Interesse an der Umwelt und Mitgefühl gegenüber Tieren – die Auslöser für die vegane Überzeugung sind ganz individuell. Um Euch einen guten Überblick und eine Diskussionsgrundlage für den Familienrat zu geben, habe ich Euch die drei wichtigsten Argumente für vegane Ernährung bzw. Lebensweise zusammengetragen und anschließend auch Kritikpunkte und Risiken veganer Ernährung zusammengetragen.

 

+ Das ethische Verantwortungsgefühl: Viele Veganer möchten nicht mitverantwortlich sein für das Schlachten von Tieren und das Leid, dass ihnen häufig bereits vorher widerfährt, denn nicht nur die Fleischproduktion, sondern auch die Produktion von Milch und Eiern kommt nicht ohne das Töten von Tieren aus. Milchkühe werden zum Beispiel geschlachtet, sobald sie nicht mehr genügend Milch geben und ihre sogenannte Milchleistung nachlässt. Sie werden außerdem künstlich geschwängert, damit sie Milch geben. Männliche Küken, die keine Eier legen können, werden, nachdem sie geschlüpft sind, in einen Schredder geworfen oder vergast. Allein diese Fakten sind so erschreckend, dass eine vegane Ernährung gar nicht mehr so absurd erscheint, wie es vielleicht auf den ersten Blick der Fall ist.

+Vegane Ernährung hilft bei der Vorbeugung oder Lösung von Umweltproblemen. Wichtige Stichworte zum Thema sind die Folgen von Überdüngung und die Emission von Treibhausgasen. Verdauungsprozesse und Ausscheidungen von Milliarden von Hühnern, Kühen und Schweinen auf der ganzen Welt sind ein extremer Einflussfaktor für die Entstehung von drei der klimarelevantesten Treibhausgase: Kohlenstoffdioxid, Methan und Stickoxid. Hinzu kommt die Umweltbelastung durch die Produktion von Fleisch, Eiern und Milch z.B. durch die Abholzung von Weideflächen oder den hohen Energieverbrauch, der durch Transport, Fütterung, Lagerung und Co. entsteht.

+ Der Gesundheitsaspekt: Fakt ist, eine vegane Ernährung schließt ganz automatisch eine Vielzahl von ungesunden Lebensmitteln zum Verzehr aus. Veganer haben im Vergleich zu Leuten, die „alles“ essen, nachgewiesenermaßen weniger häufig beispielsweise Übergewicht, Bluthochdruck oder Diabetes. Hinzu kommt, dass vegane Ernährung eine ausführliche Auseinandersetzung mit dem Thema Lebensmittel, Gesundheit und bewusste und gesunde Ernährung erfordert.

Vegane Ernährung erfordert viel Disziplin bei der Umstellung und Verzicht auf viele Gewohnheiten. Vielen von uns fällt es schon schwer, nur auf Fleisch zu verzichten. Zusätzlich aber auch noch sämtliche anderen tierischen Produkte vom Ernährungsplan zu streichen, lässt sich nicht so einfach bewerkstelligen. Viele Nicht-Veganer wollen auch einfach gar nicht auf Fleisch, Milch oder Eier verzichten, weil sie von der Sinnhaftigkeit veganer Lebensweise nicht überzeugt sind, oder nicht bereit sind, dafür solche Umstellungen und Verzicht in Kauf zu nehmen. 

– Vegane Ernährung ist mit hohen Kosten verbunden. Vor allen Dingen Ersatzprodukte wie Soja-Milch oder -Jogurt und Tofu können ganz schön ins Geld gehen, besonders dann, wenn man nicht nur für eine Person, sondern für eine ganze Familie einkaufen muss. Auch Bio-Produkte sind meist teurer als die normalen Produkte aus dem Supermarkt.

Vegane Ernährung lässt sich teils nur schwierig in den Alltag einbinden. Die richtigen Lebensmittel gibt es zwar zunehmend häufiger auch im normalen Supermarkt, trotzdem ist bleibt der Gang zum Reformhaus oder Bioladen oft nicht aus. Und auch unterwegs wird man als Veganer häufig vor eine Herausforderung gestellt: Das Grillfest bei Freunden oder Essen im Restaurant können da leicht zum Spießrutenlauf werden.

 

 3. Wir kommen zu keiner gemeinsamen Entscheidung – was nun?

Wenn ihr bereits alle Punkte durchdiskutiert habt, seid ihr als Eltern inzwischen vielleicht auch schon offen für eine vegane Ernährung. Wenn Ihr in Eurer Familiendiskussion aber zu keiner gemeinsamen Entscheidung kommt, lautet mein Tipp: Gebt dem Ganzen eine Chance! Vereinbart in Eurer Familie zum Beispiel eine bis zwei vegane Woche(n) einzulegen. In dieser Testzeit versucht ihr ausschließlich vegan einzukaufen und zu kochen. So werdet Ihr den Erwartungen der Kinder gerecht, übergeht sie nicht und nehmt ihr Anliegen Ernst. Gleichzeitig macht Ihr aber auch keine endgültigen Versprechungen. Ihr werdet mit Sicherheit feststellen, dass das gar nicht so einfach ist, und viele Ersatzprodukte, wie z.B. Sojamilch, -butter oder –jogurt im Vergleich zu nicht-veganen Produkten auch etwas teurer sind. Vielleicht könnt ihr Euch aber auch tatsächlich daran gewöhnen. Eine direkte Umstellung ohne Übergangsphase, in der ihr zum Beispiel nur auf Fleisch verzichtet, oder Stück für Stück Milch oder Eier ersetzt oder weglasst, ist für die meisten Familien sehr schwierig und endet meistens damit, dass man in alte Gewohnheiten zurückfällt. Die Entscheidung, vegan zu leben, muss nicht von heute auf morgen getroffen werden und ebenso wenig über Nacht umgesetzt werden. Besonders wichtig ist es auch, dass Ihr euch gemeinsam auf eine Lösung einigt. Eine komplett vegane Ernährung, mit der alle Familienmitglieder einverstanden sind, ist häufig nur sehr schwierig und mit viel Überzeugung und Disziplin umsetzbar. Der Ansatz bietet aber eine gute Gelegenheit, eigene Ess- und Einkaufsgewohnheiten zu reflektieren und möglicherweise auch zu überdenken. 

Übrigens ist ein wichtiger Punkt, der bei der Entscheidung für oder gegen vegane Ernährung auftritt, die Frage der Gesundheit. Es gilt inzwischen als nachgewiesen, dass bei veganer Ernährung nicht zwangsläufig Mangelerscheinungen auftreten müssen. Fleisch oder tierische Produkte scheinen für eine ausgewogene, gesunde Ernährung nach aktuellen Erkenntnissen nicht notwendig zu sein. Solltet Ihr Euch jedoch dazu entscheiden, langfristig vegan zu leben, empfehle Ich Euch, einen Termin mit einem Arzt oder Ernährungsberater zu vereinbaren. Sie können Euch genau sagen, worauf Ihr achten müsst, ob ihr möglicherweise bestimmte Produkte zu Euch nehmen sollt, um einen Ausgleich zu schaffen oder Euch weitere Tipps zur Umstellung geben.

Inzwischen gibt es auch zahlreiche Internetseiten und Bücher, die sich mit veganer Ernährung auseinander setzen. Unter http://vegan-taste-week.de könnt ihr euch beispielsweise für einen super Email-Newsletter anmelden, der Euch eine Woche lang jeden Tag mit Rezepttipps und andere Infos versorgt. Auf der Seite findet Ihr außerdem zahlreiche Rezepte, Hintergrundwissen und zahlreiche Infos zu verschiedensten Produkten.

Der Koch Attila Hillmann hat mit Sport und veganer Ernährung zahlreiche Kilos abgenommen. Mit seinen Fernsehauftritten und wunderbar illustrierten Kochbüchern zeigt er jetzt auch uns anderen fabelhafte Rezepte, die ganz ohne tierische Produkte auskommen, aber gleichzeitig tierisch lecker sind 😉 Unter http://www.attilahildmann.de findet Ihr noch mehr Anregungen und könnt Euch über den Onlineshop auch die Kochbücher bestellen! Gemeinsam mit meinen Freunden habe ich schon einige Rezepte von Attila Hildmann ausprobiert – mit wenig Zeitaufwand haben wir super-leckere, vegane Gerichte gekocht und genossen.

 

Mein Fazit

Vegane Ernährung hat viele Vorteile, ist aber im Alltag nicht leicht umzusetzen und erfordert viel Disziplin und Beschäftigung mit dem Thema. Ihr habt jetzt aber viele Tipps und Infos zu veganer Ernährung und seid gut gewappnet, falls es nach der Schule heißt: “Mama, ich lebe ab sofort vegan!” Mit Sicherheit könnt Ihr jetzt mit Euren Kindern darüber diskutieren und gemeinsam eine Lösung finden!

 

Versprochen 😉 yourPinnie

 

*Quelle: Albert Schweitzer-Stiftung

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