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Legasthenie und LRS – Was steckt dahinter?

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Eine Vielzahl an Kindern leidet während der Schulzeit unter großen Schwierigkeiten beim Lesen und der Rechtschreibung. Doch Probleme bei diesen essentiellen Dinge behindern den Lernalltag beträchtlich. LRS oder Legasthenie könnten die Ursache sein. Was steckt dahinter?

Was ist der Unterschied zwischen Legasthenie und LRS?

Legasthenie und LRS werden zwar mit dem gleichen Erscheinungsbild in Verbindung gebracht, unterscheiden sich aber in ihren Ursachen. Sie äußern sich beide darin, dass das Kind große Schwierigkeiten dabei hat, das Lesen und Schreiben altersgerecht zu erlernen, während es in anderen Bereichen normale oder sogar überdurchschnittliche Leistungen zeigt. 

LRS steht für Lese-Rechtschreibschwäche, eine Schwäche die entweder grundlegend durch eine Minderbegabung oder Sinnesbehinderung (z.B. starke Hör- oder Sehstörungen) hervorgerufen wird, oder aber erklärbare, äußere und vorübergehende Ursachen hat. Psychische Traumata, längere Krankheiten, soziale Probleme oder mangelhafte Beschulung können z.B. dahinter stehen. 

Legasthenie hingegen ist eine Lese-Rechtschreibstörung, die genetisch oder aus einem sehr frühen Entwicklungsstadium mitgebracht wird, und eben nicht durch soziale, schulische oder krankheitsbedingte Probleme erklärt werden kann. 

„Legasthenie ist eine (nach weit gehender internationaler Übereinstimmung) entwicklungsbedingte Teilleistungsstörung des Gehirns und seiner für das Lernen wichtigen neuropsychologischen Funktionen, wie Merkfähigkeit, Gedächtnis oder Wahrnehmungsverarbeitung. Diese Teil- (also nicht völlige) Lernstörung beeinträchtigt das Erlernen der Schriftsprache. Jene Wahrnehmungsverarbeitung, die für das Lesen und Schreiben am wichtigsten ist, den Legasthenikern aber am wenigsten gelingt, ist die Umwandlung der Schriftzeichen in Sprachlaute und umgekehrt.“
Quelle: KLASEN, Dr. Edith (1999): Legasthenie – umschriebene Lese-Rechtschreib-Störung, Klagenfurt 1999, S. 14

 

Woran erkenne ich, dass mein Kind möglicherweise unter Legasthenie oder LRS leidet?

Zwar lernen Kinder normalerweise erst in der Grundschule Lesen und Schreiben, erste Anzeichen für eine Lese-Rechtschreibschwäche oder -störung gibt es aber häufig schon im Kindergarten- bzw. Vorschulalter. Wenn beispielsweise die Unterscheidung von Formen, Zahlen und Buchstaben schwerfällt oder euer Kind Probleme damit hat, Reimwörter zu finden oder Wörter in Silben zu sprechen, solltet ihr euch genauer informieren. Auch ein verzögerter Sprechbeginn oder undeutliches Sprechen können ein Zeichen sein. In vielen Kindergärten wird das sogenannte BISC – das Bielefelder Screenings zur Früherkennung von Lese-Rechtschreibschwierigkeiten – angewendet, um Legasthenie oder LRS bereits im Vorschulalter zu diagnostizieren. Der 20-30-minütige Test ist in vielen Einrichtungen Standard, und kann aber, falls er in eurem Kindergarten nicht angeboten wird, z.B. auch bei vielen Logopäden oder (Schul-)Psychologen durchgeführt werden.

In der Grundschule äußert sich eine LRS oder Legasthenie meist sehr schnell. Betroffene Kinder tun sich nicht nur beim Lesen und Vorlesen selbst schwer, sondern können den Sinn des Gelesenen oft gar nicht oder nur bruchstückhaft wiedergeben. Viele Grammatik- und Rechtschreibfehler, das Vertauschen von Buchstaben, Silben oder ganzen Wörtern und zahlreiche andere mögliche Anzeichen weisen auf LRS oder Legasthenie hin. Gerade weil Lesen und Schreiben die Grundlage für alle anderen Schulfächer, wirken sich Probleme in diesem Bereich häufig auch auf die Schulnoten im Gesamten aus. 

 

Diagnose Legasthenie / LRS – und was jetzt?

Sollte bei eurem Kind tatsächlich LRS oder Legasthenie diagnostiziert werden, kommt es, je nachdem wie schwer die Störung oder Schwäche ausgeprägt ist und das Schulleben beeinflusst, häufig zu einer engen Zusammenarbeit zwischen Eltern, Schule und Lehrkraft, und Therapeuten. Grundsätzlich unterscheidet sich die Therapie von Legasthenie und LRS erheblich. Bei einer LRS muss zuerst einmal die Ursache, das auslösende Ereignis, aus dem Weg geschafft oder verarbeitet werden. Bei Legasthenie hingegen kommt häufig eine ganzheitliche Therapie zum Tragen, die nicht nur schulische, leistungsorientierte Hilfe bietet, sondern auch soziale und emotionale Aspekte aufgreift. Schließlich sollen die Kinder sich nicht nur schulisch verbessern, sondern auch lernen, ihre Schwäche zu akzeptieren und damit umzugehen. Weil Legasthenie eine Krankheit ist, die im Normalfall Teil des Lebens bleibt, ist dies besonders wichtig. In den meisten Fällen kann durch entsprechende Therapie Erfolg insofern erzielt werden, dass sich die Lese- und Rechtschreibleistungen verbessern. Oft bleibt z.B. aber das Lese- und  /oder Schreibtempo der betroffenen Kinder dauerhaft geringer. 

 

Was kann ich zu Hause tun?

Neben einer entsprechenden Förderung, die es optimalerweise mit der zuständigen Lehrkraft und den Therapeuten abzustimmen gilt, ist es besonders wichtig, euer Kind über seine Schwäche oder Störung aufzuklären. LRS oder Legasthenie bedeutet nämlich nicht, dass man etwa dumm oder faul ist, sondern dass man eben unter einer Krankheit leidet, für die man nichts kann. Leider bleiben Erfolgserlebnisse in der Schule mit LRS oder Legasthenie häufig aus. Im Gegenteil sind viele Kinder überfordert, und aufgrund der fehlenden Grundlagen wirkt sich die Schwäche auch auf die Ergebnisse in anderen Fächern wie Mathe oder Sachkunde aus. Auf Dauer kommt das Kind mehr und mehr frustriert aus der Schule zurück, wenn es nicht entsprechend aufgeklärt ist und Hilfe bekommt. Geduld und die richtige Förderung sind somit häufig das A und O zu Hause. Übt gemeinsam, hebt nicht nur die Schwächen und die davon betroffenen Leistungen, sondern auch Stärken des Kindes hervor, z.B. beim Basteln, Sport oder anderen Aktivitäten, die von LRS oder Legasthenie eben nicht betroffen sind, und lobt auch kleine Verbesserungen und Fortschritte.

 

Was passiert in der Schule?

Sobald LRS oder Legasthenie diagnostiziert werden, können verschiedene Maßnahmen ergriffen werden. Zum einen gilt es natürlich, die Kinder nicht nur außerschulisch sondern auch im Unterrichtsalltag gezielt zu fördern. Die meisten Lehrkräfte haben viel Erfahrung mit LRS- oder Legasthenie-betroffenen Kindern und wissen, wie sie gezielt fördern und fordern können. Grundsätzlich gibt es zusätzlich die Möglichkeit des sogenannten Nachteilsausgleichs. Wann dieser Nachteilsausgleich genehmigt wird, ist gesetzlich nicht genau geregelt und von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich. Bestandteile des Nachteilsausgleichs sind z.B. längere Bearbeitungszeiten bei Tests, das Vorlesen von Aufgabenstellungen durch die Lehrkraft oder die Nicht-Bewertung von Rechtschreibfehlern in Diktaten und anderen Prüfungen. Ein Nachteilsausgleich kann oft helfen, die Angst vor der Schule oder Bewertungen zu mildern, Leistungen zu relativieren und zusätzlich zu motivieren. Auf der anderen Seite gilt es aber auch, Vorsicht zu bewahren, z.B. im Hinblick darauf, dass einige Kinder die Motivation verlieren, weil sie in ihren Augen nicht „richtig“, so wie die anderen Kinder bewertet werden. Die Entscheidung über einen möglichen Nachteilsausgleich hängt aber ohnehin mit verschiedenen Tests und Gutachten zur Leistungsüberprüfung und Einstufung zusammen. Als betroffene Eltern solltet ihr auch immer den Austausch mit der Lehrkraft suchen. In den meisten Fällen können sie den Stand des Kindes vor allem im Vergleich mit anderen Kindern, die ebenfalls betroffen sind, sehr gut einschätzen.

 

Wo und wie kann ich mir Hilfe holen?

Hilfe gibt es eigentlich von allen Seiten. Die Kindergärten und Schulen sind oft maßgeblich an der Erkennung von LRS oder Legasthenie beteiligt und können im Fall auch Empfehlungen für Therapiestellen, Psychologen etc. geben. Wenn alle Beteiligten zusammenarbeiten, ist dem betroffenen Kind am Besten geholfen. Leider werden Nachhilfe und Lerntherapien meist nicht von den Krankenkassen übernommen. Es gibt aber in bestimmten Fällen die Möglichkeit die sog. „Eingliederungshilfe“ beim Jugendamt zu beantragen. Mehr Infos dazu findet ihr unter http://www.bvl-legasthenie.de/beratung-und-service/finanzierung.html.

 

Grundsätzlich sind LRS und Legasthenie relativ häufige Erscheinungen, mit denen viele Kinder jeden Tag umgehen müssen. Dementsprechend sind aber auch viele erfahrenen Lehrkräfte, Schulen und andere Einrichtungen darauf eingestellt, sodass ihr als betroffene Familie nicht allein da steht. Auch wenn LRS und Legasthenie kein Pappenstiel und durchaus ernst zu nehmen und zu behandeln sind, bin ich sicher, dass ihr das gemeinsam meistern könnt!

 

Versprochen 😉 yourPinnie

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