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Massenhafte Digitalisierung von Büchern, aber wer hat das größte Interesse daran?

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Slide4.Anlass ist ein Artikel in der Süddeutschen Zeitung vom 16.04.2015: „Google darf Millionen Bücher scannen – endgültig“; ich dachte mir, da dies nun juristisch geklärt ist, könnte ich euch das ganze hier auf dem Silbertablett servieren. Das Thema wird die kommenden Generationen und yourPinnie bestimmt auch weiterhin beschäftigen.

Die Geschichte

2004 hatte Google seinen Plan der massenhaften Digitalisierung von Büchern verkündet und begann auch sogleich, was vielfach auf Widerstand stieß. Häufig jedoch eher ohne Substanz, wie zum Beispiel die Unbegründete Befürchtung, man könne einen Teil seiner Kultur verlieren oder gar um aus Prinzip gegen einen kapitalistischen Konzern wettern zu können. Ab 2005 entwickelte sich ein gigantischer Rechtsstreit als die Autorenvereinigung „Authors Guild“ gegen den Konzern vor Gericht zog. Jedoch ist es auch ohne die rechtliche Komponente ein sehr verstricktes Thema.

Auf die Idee der Digitalisierung von Texten sind schon die Urgesteine der digitalen Welt gekommen, als sie versuchten, komplizierte Anleitungen zur Bedienung eines Rechners auf eben diesem anzuzeigen, damals noch in schwarzgrün. Dann geriet der Gedanke in gewisser Weise in Vergessenheit. Bis 2004, und das meist unorganisiert, wurde die Digitalisierung bestenfalls privat vorgenommen. Auf die von Google ausgelöste Welle sprangen Technikfirmen, Unternehmen und Großprojekte auf. Google hatte im Grunde nur auf die Nachfrage tausender Bibliotheken reagiert, deren Budgets nicht im Ansatz ausreichten, um für den grundlegenden Erhalt der Werke zu sorgen. Somit sprang Google hier für den Staat ein – aber mit welchen Absichten? Freie Bildung für alle oder doch wieder nur die stumpfe kapitalistische Geldmache? Wer sonst hat das Geld dazu? CCS, ein deutsches Unternehmen, welches sich auf diesen Marktabschnitt spezialisiert hat, hatte Kooperationen mit diversen Universitäten und großen Bibliotheken – vor wenigen Jahren wurde ein zweijähriges Projekt mit der British Library abgeschlossen. Die Kosten beliefen sich auf ca. 2 Millionen EUR. Für Google ist das eine lächerliche Größenordnung, wobei CCS leider nicht offenlegen, wie viele Bücher sie bereits gespeichert haben.

Stand 2011 hatte Google bereits 15 Millionen Bücher digitalisiert, in der EU waren es grade mal 1,2 Millionen. Es reicht schon, auf Youtube zu schauen, was es alles an Digitalisierungsprogrammen für kleines Geld gibt. Man sieht, Google hat hier vollkommen ins Schwarze getroffen. Amazon und Co. haben keine Chance diesem Riesen auch nur ansatzweise nahe kommen zu können, auch wenn dieser sich vorerst „nur“ auf Literatur aus dem 15. bis 19. Jahrhundert beschränkt hat.

Dies bringt uns natürlich zum Punkt des Copyrights: verlieren die Autoren bzw. die Verlage Einnahmen, oder, wie Google behauptet, würden sich die Umsätze erhöhen und kleinere Autoren mehr Aufmerksamkeit bekommen? Google gibt als Motiv an, dass aufgrund der Digitalisierung eine Volltext-Stichwortsuche möglich wird.

Auf www.google.com/googlebooks/partners/tour.html kann man sehen, wie Google Autoren und solchen, die es werden wollen, schmackhaft machen will, ihre Werke Online zu stellen. Verdient Google damit etwas? Sicherlich, sicherlich auch nicht wenig, da, weiterführende Links zu diversen Shops weiterleiten, die wiederum Google für die Anzeige bezahlen.

Wirtschaftliches Bedenken

Hat die Einführung des E-Books 2007 dem Buchmarkt geschadet? Entgegen aller Vermutungen nicht im Geringsten. Der Umsatz an „richtigen“ Büchern in Deutschland hält sich seit über 10 Jahren auf einem fast aberwitzig hohen Niveau. Verpasst also der deutsche Markt, wenn er dieser quasi unaufhaltsamen Entwicklung versucht zu widerstehen, eine Chance oder vermeidet er Einbußen?
Wäre das Wissen denn digital sicherer? Man sagt ja, was einmal im Internet ist, bekommt man nur schwer wieder heraus. Wäre das nicht eine großartige Lösung die der Versauerung, dem Verfall von alten Büchern – und alt werden alle Bücher irgendwann – entgegensteht? Fast. Man sollte sich nicht vollkommen darauf verlassen. Auch Server können verbrennen, Sonnenstürme, Atomkatastrophen und EMPs könnten schnell der gesamten digitalen Welt den Garaus machen.

Schlussendlich lässt sich nicht viel gegen Googles Pläne einwenden. Bis auf den Aspekt der Copyrightinhaber, scheint es an sich niemandem zu schaden und kein Staat scheint bereit zu sein, selber enorme Summen aufzuwenden um Archive zu retten. Solange es also den Buchläden nicht schadet bringt es doch an sich nur Vorteile. Oder? Das wäre nun meine Schlussfolgerung, was meint ihr? Interessant wird es dann, wenn es an aktuelle Werke gehen wird. Sollte bald jedes Buch online verfügbar sein? Lauter Fragen die sich hier wieder aufwerfen. Es gilt zu diskutieren, wobei Google zu stoppen wahrscheinlich eine unlösbare Aufgabe wäre.

Und hier kann ich nur versprechen, dass ich das im Auge behalten werde!

Versprochen 😉 yourPinnie

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